Verlustvortrag - Steuererklärung ohne Einkommen

Durch einen Verlustvortrag kannst du dir für deine Studienkosten einen Steuerbonus für den Berufseinstieg sichern.

Was ist ein Verlustvortrag?

Ein Studium ist mit hohen Kosten verbunden. Zum Glück können Studenten viele ihrer Studienkosten steuerlich geltend machen. Allerdings gibt es nur dann Geld vom Staat für eine Ausbildung zurück, wenn auch Steuern gezahlt werden. Da die meisten Studenten aber noch keine Steuern zahlen, weil sie mit ihrem Jahreseinkommen unter dem Grundfreibetrag von 8.652 Euro (2016) bleiben, bietet das deutsche Steuerrecht eine vorteilhafte Lösung an: den Verlustvortrag.

Durch einen Verlustvortrag können dem Finanzamt alle Studienkosten (= Verluste) per Steuererklärung mitgeteilt werden. Das Finanzamt merkt sich die angegebenen Ausgaben und sobald das erste Mal Steuern gezahlt werden, werden die vorgetragenen Verluste steuerlich verrechnet. Das heißt bei Arbeitnehmern, dass die Studienkosten in Form einer Steuerrückzahlung erstattet werden. Bei Selbstständigen verringert sich entsprechend die Höhe der zu zahlenden Steuer.

Können alle Studenten einen Verlustvortrag machen?

Alle Studenten, die ein Zweitstudium (Master oder Bachelor mit vorangegangener Berufsausbildung) absolvieren, können ihre ausbildungs- und berufsbedingten Ausgaben als Werbungskosten steuerlich geltend machen. Bei Studenten im Erststudium erkennt das Finanzamt aktuell die Studienkosten lediglich als Sonderausgaben an, ein Verlustvortrag ist damit nicht möglich (siehe Hinweise unten).

  • Verlustvortrag: Wenn Studenten weniger Einnahmen als Ausgaben verzeichnen, entsteht ein steuerlicher Verlust. Dieser Verlust wird vom Finanzamt automatisch als eine Art Steuerbonus vermerkt, der eingelöst wird, sobald Steuern gezahlt werden.
  • Kein Verlustvortrag: Wenn Studenten mehr Einnahmen als Ausgaben verzeichnen und auf ihre Einnahmen Steuern zahlen, können die in der Steuererklärung angegebenen Studienkosten gleich voll steuerlich verrechnet werden und ein Verlustvortrag ist nicht notwendig. Es erfolgt eine sofortige Steuererstattung.

Hinweis: Der Bundesfinanzhof hat bereits 2015 entschieden, dass die steuerliche Ungleichbehandlung von Erststudenten und Zweitstudenten verfassungswidrig ist. Jetzt muss das Bundesverfassungsgericht als letzte Instanz urteilen, ob zukünftig auch Menschen in Erstausbildung Verlustvorträge machen können. Die Chancen stehen sehr gut, da bereits die beiden Vorinstanzen zugunsten von Erststudenten entschieden haben. Bis ein endgültiges Urteil gefällt ist, erkennen Finanzämter bei Bachelor-Studenten zwar nicht sofort Verlustvorträge an, kennzeichnen die Steuerbescheide aber als vorläufig. Sobald das BVerfG sein Urteil im Sinne der Erststudenten gefällt hat, werden die Steuerbescheide entsprechend geändert und die Verlustvorträge von Bachelor-Studenten akzeptiert.

Vorteile des Verlustvortrags auf einen Blick

Ohne Einkommen

Kein Geld

Um einen Verlustvortrag für die Studienkosten zu machen, ist kein Einkommen notwendig.

Unbegrenzt

Komplett

Die Studienkosten können in voller Höhe und unbegrenzt als Verlust vorgetragen werden.

Über Jahre

Über Jahre

Verlustvorträge sind über mehrere Jahre hinweg möglich, bis Steuern gezahlt werden.

Steuerbonus

Steuerbonus

Durch den Verlustvortrag erhältst du eine Steuergutschrift für den Berufseinstieg.

Wann wird der Verlustvortrag eingelöst?

In der Regel haben Studenten während ihrer Studienzeit weniger Einnahmen als Ausgaben und verbuchen damit einen Verlust. Durch eine Steuererklärung kann dieser Verlust dem Finanzamt angezeigt werden. Das Finanzamt merkt sich diesen Verlust. Solange kein Einnahmenüberschuss entsteht, werden die erklärten Verluste vom Finanzamt automatisch in die nächsten Jahre übertragen.

Erst wenn laut Steuererklärung die Einnahmen die Verluste übersteigen, endet der Verlustvortrag. Dies ist meist der Fall, wenn das Studium beendet und ein fester Job begonnen wurde. Jetzt erfolgt die Erstattung der (über die Studienjahre) vorgetragenen Verluste. Auch dies geschieht automatisch, indem das Finanzamt die gezahlte Lohnsteuer mit den vermerkten Verlusten verrechnet und schließlich die bereits gezahlte Steuern in Höhe der vorgetragenen Verluste erstattet.

Beispiel: So kann ein Verlustvortrag aussehen

  • Du hast von 2012 bis 2014 studiert, in dieser Zeit kein nennenswertes Einkommen erzielt und für jedes Jahr eine Steuererklärung abgegeben, in der du deine Studienkosten als Verluste vorgetragen hast.
  • Das Finanzamt hat sich die jährlich vorgetragenen Verluste gemerkt und kommt in der Summe zum Ergebnis, dass du in den drei Jahren insgesamt 15.000 Euro Studienkosten angehäuft hast.
  • In 2015 hast du einen Job begonnen, der dir im Jahr 45.000 Euro Gehalt einbringt. Dieses Einkommen gibst du in deiner Steuererklärung an und musst darauf Steuern zahlen.
  • Aufgrund deiner Verlustvorträge während der Studienzeit reduziert sich dein zu versteuerndes Einkommen jetzt aber deutlich. Du musst lediglich Steuern zahlen, als ob du nur 30.000 Euro verdient hättest.
  • Da bei Arbeitnehmern die Lohnsteuer meist direkt einbehalten wird, bekommst du nun die zu viel bezahlten Steuern vom Finanzamt erstattet.
  • Auf diese Weise hast du dir deine Studienkosten vom Staat zurückgeholt.
Ich habe insgesamt 5 Jahre studiert. Während meiner Studienzeit habe ich nur einen 450€-Minijob gehabt und damit keine Steuern zahlen müssen. Eine Steuererklärung habe ich natürlich trotzdem für jedes Jahr abgegeben, um meine Studienkosten geltend zu machen. Jetzt arbeite ich schon zwei Jahre. Durch meine Verlustvorträge habe ich gleich im ersten Arbeitsjahr insgesamt fast 5.000 Euro Steuerrückzahlung erhalten. Eine feine Sache!
Tobias U. (ehem. Uni Konstanz)
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